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Die Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2021 hat acht Sachbücher für die Auszeichnung ausgewählt. Seit Ausschreibungsbeginn haben die sieben Jurymitglieder 240 Titel gesichtet, die seit Mai 2020 erschienen sind.

Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verleiht den mit insgesamt 42.500 Euro dotierten Deutschen Sachbuchpreis in diesem Jahr erstmalig. Ausgezeichnet wird ein herausragendes, in deutscher Sprache verfasstes Sachbuch, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt.

Wir wollten natürlich wissen: Was steckt hinter den nominierten Sachbüchern und haben die acht Titel direkt einmal unter die Lupe genommen!
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Freiheitsgrade
Wie steht es um die Freiheit? Was bedeutet Liberalismus? Was ist mit der vielzitierten „Krise der Demokratie“? Wie wollen wir leben, wie kann die freie Entfaltung eines jeden Menschen in einer demokratischen Gesellschaft gelingen? Und warum sind autoritäre Systeme im Moment wieder so in Mode? Um diese und viele weitere Fragen kreist Christoph Möller in „Freiheitsgrade“.

Nach den ersten 30 Seiten habe ich das Buch wieder beiseitegelegt: zu schwer, zu theoretisch, zu trocken. Eine Woche später dachte ich: Mensch, du hast doch Sprachphilosophie studiert, jetzt streng dich doch mal ein bisschen an, das Buch ist schließlich für den Deutschen Sachbuchpreis und auch noch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und überall im Gespräch. Das muss was haben, jetzt lies es endlich!
Dann habe ich mich aufs Sofa gesetzt und quer im Buch gelesen: also nicht, wie es sich für eine ordentliche Buchhändlerin gehört, brav von vorne nach hinten, sondern einfach mittendrin angefangen und wild weitergelesen. Das geht nämlich auch ziemlich gut, denn Christoph Möllers hat sein Buch in 349 kurze Kapitel, eher Abschnitte, eingeteilt, die man auf seine Empfehlung hin ausdrücklich auch querbeet lesen soll.

Und was soll ich sagen: ich hab mich festgelesen. Und viele bemerkenswerte und interessante Gedanken entdeckt. Also: loslesen! und nicht bange machen lassen!

Flucht: Eine Menschheitsgeschichte
Kein dröger Sachtext, sondern ein spannendes, aufrührendes, packendes Buch. Glänzend geschrieben, liest sich dieser welthistorische Überblick über Flucht und Vertreibung als Grunderfahrung fast aller Menschen zu allen Zeiten eher wie ein Roman denn ein Sachbuch. Aus der Perspektive der Menschen, die durch die Jahrhunderte ihre Heimat verloren haben, mit Zitaten aus Briefen, Tagebüchern, Erinnerungen, Gedichten. Unbedingt lesenswert!

Die Jury des Sachbuchpreises über Maos langer Schatten
In großen historischen Umbruchssituationen werden Recht und Unrecht neu definiert, die Rollen von Täter*innen und Opfern neu verteilt. Daniel Leese beschreibt das Jahrzehnt nach Maos Tod als Gratwanderung zwischen juristischer Aufarbeitung, Reparation und erneuter Repression. Am Sonderfall Chinas behandelt er große, zeitlose Fragen des Umgangs mit historischer Schuld, die an Aktualität nichts verloren haben. Das Buch ist ebenso anschaulich wie scharfsinnig, akribisch wie souverän - eine historiographische Meisterleistung.

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Betrachtungen einer Barbarin:
Wie ist es, wenn die Geschichte deiner Flucht "nur" eine Geschichte ist. Die kulturwissenschaftlerin Asal Dardan ist mit ihren Eltern als einjähriges Kind von Teheran nach Köln geflohen. Ihre Erinnerungen setzen in einer Hochhauswohnung in Höhenberg ein.
Die Autorin schreibt über die Erfahrungen mit dem Verlust und Finden von Heimat, von Familien im Exil und vor allem über die Hoffnung die Gegensätze zwischen "wir" und "den Anderen" überbrücken zu können!
"Sie schreibt über das Mensch-Sein: über Grunderfahrungen wie Migration, Flucht, Reisen und die Fremde. Dardan erzählt von vermeintlich uralten Familientraditionen, die man tatsächlich doch erst neu erlernen muss, und von rückwärtsgerichteten Etiketten, die einfach nicht passen, von Elternsprachen, die einem entgleiten und neuen Familien, die einem erwachsen." so die Jury des Deutschen Sachbuchpreises.
Diese Lebensgeschichte in Essays hat mich persönlich berührt; hat mich abgeholt, da wo ich noch nie stehen musste und dabei durfte ich viel für mich mitnehmen. Das Buch liest sich dabei trotz der Schwere der Themen wunderbar leicht! "Preisverdächtig..."

Kleinste gemeinsame Wirklichkeit:
Definitiv der Shootingstar unter den nominierten Titeln! Wer Mai Thi Nguyen-Kim noch nicht kennt, der/die hat vielleicht noch nie auf WDR die Wissenssendung Quarks gesehen - nun, der/die möge sich direkt bei YouTube ihren Kanal "maiLab" anschauen und danach sofort dieses Buch zulegen.
Denn "Forscher haben herausgefunden, die Studie hat ergeben, die Wissenschaft hat festgestellt" haben wir alle - vor allem im letzten Jahr - so oft gehört. Doch was heißt das dann eigentlich für uns? Was sind valide Daten, wann beginnt Spekulation und schlimmstenfalls Erfindung? Wie können wir lernen, Quellen richtig zu deuten und in Debatten eine Position beziehen, die aus mehr als unserer persönlichen Meinung besteht. Und was passiert eigentlich, wenn wir mit den Fakten am Ende sind... Um mit der Autorin zu sprechen: Holt euch 'nen Tee und los geht's!

Hegels Welt:
Hätte es den Sachbuchpreis nicht gegeben, so hätte ich dieses Buch wohl nie in die Hand genommen. Und ich hätte definitiv was verpasst! Vielleicht geht es Ihnen wie mir und das Wissen über Hegel, sein Werk und seine Zeit sind noch aus der Schule - und damit vielleicht nicht gerade "Günther-Jauch-tauglich"... Dann seien Sie mutig und nehmen dieses - zugegeben - dicke Buch in die Hand! Schauen Sie rein und entdecken Hegel, sein Wirken und seine Wirkung auf uns! Und auch, wenn Sie bei "Wer wird Millionär" keinen Joker brauchen würden, wenn es um Hegel geht, so werden Sie in diesem umfassenden Werk sicherlich auch noch neue Informationen entdecken - da bin ich mir sicher!
So stimme ich der Jury vollumfänglich zu, die in ihrer Begründung zur Nominierung schreibt:
"Hegel wurde oft in Krisenzeiten zur Lektüre herangezogen, auch gegenwärtig wieder; ist doch unser Gesellschafts- und Staatsverständnis ganz wesentlich von diesem Denker am Übergang zu einer neuen Epoche geprägt. Hegel, so zeigt Jürgen Kaube in seiner monumentalen Biografie des Philosophen, erfuhr die Zerrissenheit der modernen Gesellschaft als grundlegend. Kaube fächert uns den Geist der Moderne im Spiegel von Hegels Leben und Schaffen auf. Wer seinem analytischen Blick folgt, entdeckt nicht nur Hegels welthaltiges Werk, das alles Neue zu entschlüsseln sucht, sondern lernt einen fragenden Philosophen kennen, der sich in seinem Denken radikal den Widersprüchen stellt. Wie leichtfüßig, elegant und manchmal ironisch dieses Buch uns die hegelsche Möglichkeit zur Freiheit nahe bringt, ist virtuos und lehrreich."



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Menschwerdung eines Affen
Das Buch hat mich begeistert. Die Ethnologin blickt zurück auf ihre ersten Reisen als Feldforscherin Ende der 70er Jahre. Aufgeteilt in vier Kapitel taucht sie ein in die Arbeit mit den afrikanischen Kulturen. Sie ist immer darauf bedacht, in Augenhöhe zu arbeiten, nie beobachtend von oben herab.
In den Tugenbergen in Kenia, die sie viele Jahre besuchte, musste sie klein anfangen. Die Stammesmitglieder titulierten sie als „Affe“, also „der Sprache nicht mächtig“. Dazu noch ist sie noch eine Weiße, sie kannte weder Sitten noch Bräuche. Es brauchte dann auch Jahre bis sie in der Gemeinschaft als „Mensch“ anerkannt wurde.
Kurzweilig und sehr interessant geschrieben. Die Fragwürdigkeit der Völkerkunde ist in diesem Buch auch ein großes Thema. Sehr aktuell auch im Hinblick auf das Thema „Raubkunst“, das die Geschichte der Kolonien unweigerlich begleitet.
Heike Behrend hat ein sehr bewegendes Leben geführt und musste sich grade als Frau immer in besonderer Weise behaupten. Doch das hat sie mit Bravour geschafft.
Ein sehr spannendes Buch über Feldforschung!

Der Wolf im Schafspelz
Der Autor hat sich intensiv mit Stil und der großen Literatur beschäftigt, herausgekommen ist für mich eine höchst anregende und vergnügliche Literaturgeschichte. Auf über 650 Seiten -keineswegs langweilig - begegnen wir großen Namen, aber auch weniger bekannten Autor:innen. Man hat das Gefühl, am großen Bücherschrank des Autors entlangzugehen.
Mit Augenzwinkern, aber auch scharfzüngig bringt er immer wieder Neues zu Tage.
Ich habe es sehr gerne gelesen, bzw. einfach mal eine Seite aufschlagen und mich inspirieren lassen. Ebenso kann man sich festlesen und denken: “Ach, so hab ich das noch gar nicht gesehen“.
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Welcher Titel wird das Sachbuch des Jahres 2021?

Am 14. Juni 2021 ab 18 Uhr vergibt die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erstmalig den Deutschen Sachbuchpreis. Ausgezeichnet wird ein herausragendes, in deutscher Sprache verfasstes Sachbuch, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt. Die Preisverleihung findet als Livesendung aus dem Humboldt Forum im Berliner Schloss statt und wird von Katrin Schumacher (MDR) und René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur) moderiert.
Lesebegeisterte können die Veranstaltung am Bildschirm unter
www.deutscher-sachbuchpreis.de mitverfolgen.
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