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Sommer in der Stadt. Eine Stärke des Buches sind die Momentaufnahmen, die Sinneseindrücke und aufblitzenden Erinnerungen Frieders an diesen einen Sommer, an seinen Duft, seinen Geschmack; an das Licht, die Farben und die Geräusche.

„Ich hatte den Wind im Rücken, als ich den Fußweg neben der Brauerei zurück in die Innenstadt nahm. An der Brücke über den Fluss rauschte der Wind in den Silberpappeln. Die Blätter flirrten. Silbrig auf der Unterseite. Grün oben. Im grauen Licht dieses Morgens sah es aus und hörte es sich an, als unterhielten sie sich elegant und höflich und sehr lebhaft mit dem Wind. Wohl eher nicht über mich. Für eine Silberpappel wäre ich wahrscheinlich im Vorbeifahren nichts als ein verwischter Strich; viel zu schnell vorbei, um bemerkt zu werden. Bäume dachten wahrscheinlich langsam.“ (Ewald Arenz, Der große Sommer, S. 52)
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„Es war mittags schon heiß gewesen, gegen drei Uhr kochte die Stadt. Sie schien auch viel stiller als sonst zu sein. Vielleicht waren mit dem Ferienbeginn wirklich alle weggefahren. Wenn man mit dem Rad auf dem Asphalt fuhr, hörte es sich leiser an als sonst. Die Straße fühlte sich weich an. Ich mochte den Teergeruch an solchen Tagen. Über mir drehten die Mauersegler ihre wilden Achterbahnrunden. Ihr Rufen hieß Sommer Sommer Sommer. Ich mochte die Möwen am Meer auch, aber das war eine andere Sehnsucht. Komisch, dass es das gab. Das man etwas schön finden konnte, weil es bewirkte, dass man etwas anderes noch mehr wollte. Oder vielleicht war es gar nichts anderes. Vielleicht war diese Sehnsucht bloß wie die Erinnerung an einen Geschmack von etwas, das man in einem anderen Leben gekannt hatte; etwas längst Vergessenem. (Ewald Arenz, Der große Sommer, S. 68)
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„Aber heute war ein so friedlicher Sommermorgen, an dem eigentlich alles stimmen sollte. Die Fenster zum Garten offen. Draußen ein paar freundliche, ferne Feriengeräusche. Ein Rasenmäher ein paar Gärten weiter. Das Locken der Tauben in der Fichte im Vorgarten. Irgendwo Kindergeschrei aus einem anderen Garten, aber so weit entfernt, dass das gemütliche Summen der Hummeln um den Efeu unter meinem Fenster lauter war.“ (Ewald Arenz, Der große Sommer, S. 185)
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„Es wurde einer dieser schwebenden Nachmittage, von denen es in einem Sommer immer nur einen gibt und die immer unvermutet kommen. Die Septembersonne stand hoch über dem Rathausturm und das Kupferdach der Schule leuchtete grün, aber in die blaue Luft war schon mit schmalem Strich ein schwarzes V gezeichnet. Gänse auf einem ersten Übungsflug. Uns zog es auch nach oben. Wir schoben unsere Räder durch die Stadt, blieben lange bei einem Straßenmusiker stehen, setzten uns auf die Brückenmauer und sahen in den Fluss, den Orangensaft und die Flaschen mit dem Blue Curacao zwischen uns. Es war ein bisschen wie Urlaub, als wären wir in einer fremden Stadt. Man merkte, dass die Ferien zu Ende gingen.“ (Ewald Arenz, Der große Sommer, S. 306)

Ein leichter Sommerroman, der eigene Erinnerungen der Leser*innen zu wecken vermag, so schreibt auch Andrea Gerk in ihrer Buchbesprechung auf WDR 3.

Welch kritischere Betrachtung der Roman von Ewald Arenz im Deutschlandfunk durch Christoph Schröder erfährt, lesen Sie hier.

Nehmen Sie das Buch mit in den Garten oder auf den Balkon, setzen Sie sich in einen schönen Park auf die Bank – ich wünsche Ihnen weiterhin ein schönes Leseerlebnis mit Ewald Arenz „Der große Sommer“.

Mit herzlichen Grüßen
Ute Hentschel
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